28.08.2016: Anspruchsvolles Übungsszenario am Sonntagmorgen


2016 08 28 Uebung Gefahrgut VU01Es ist Sonntagmorgen, 8:15 Uhr als bei der Freiwilligen Feuerwehr Idstein das Szenario der Übung verkündet wird: „Verkehrsunfall, Lkw beteiligt, Pkw beginnt zu brennen“. Eine Alarmmeldung die den Idsteiner Einsatzkräften auch in der Realität immer wieder begegnet. Kurz darauf rollt das erste Löschgruppenfahrzeug und wenig später auch der Rüstwagen und Einsatzleitwagen vom Feuerwehrhof in der Wiesbadener Straße in Richtung „Einsatzstelle“.

Dort haben Kameraden ein aufwändiges, und dann doch nicht mehr so alltägliches, Szenario vorbereitet: Auf gerader Strecke soll ein Fahrzeug ins Schleudern gekommen und schließlich mit dem Dach gegen einen Baum geprallt sein. Es liegt nun auf der Seite in der Böschung. Aus dem Motorraum dringt schwarzer Rauch. Im Fahrzeug stellen zwei 50 kg schwere Puppen die bewusstlosen Fahrzeuginsassen dar. Ein Lkw-Fahrer hat den Unfall beobachtet und an der Unfallstelle angehalten. Ein weiterer Pkw hat schließlich die Unfallstelle zu spät erkannt und ist mit großer Geschwindigkeit in den stehenden Gefahrguttransporter geprallt. Die beiden Fahrzeuginsassen werden eingeklemmt. Beladen ist der Lkw mit größeren Mengen Salz- und Schwefelsäure. Die Behälter im Lkw sind nun beschädigt und die ätzende Flüssigkeit läuft nicht nur aus sondern gefährdet mit ihren ätzenden Dämpfen, der in weißen Rauchschwaden aufsteigt, die Unfallopfer ebenso wie die eintreffenden Retter.

Die ersten Einsatzkräfte erkennen die Gefahr von weitem und halten in sicherer Entfernung. Sie werden von dem aufgeregten Lkw-Fahrer in Empfang genommen, der bereits über Atemprobleme und brennende Augen klagt. Über die „Leitstelle Übung“ wird die Lage weitergegeben und sofort Verstärkung nachgefordert. Und so setzen sich wenig später vom Feuerwehrstützpunkt weitere Fahrzeuge in Bewegung.

2016 08 28 Uebung Gefahrgut VU06An der Einsatzstelle geht es derweil schnell aber routiniert voran: Mit Flatterband wird der Gefahrenbereich abgesperrt, ein Platz zur Notdekontamination vorbereitet und Geräte zur technischen Rettung bereitgestellt. Gleichzeitig gehen zwei Trupps mit schwerem Atemschutz zu den Fahrzeugen vor und finden die insgesamt vier Unfallopfer. Mit den beiden Frauen, die direkt den ätzenden Dämpfen ausgesetzt sind, wird nicht lange gefackelt. Über den Kofferraum dringen die beiden Retter in das Unfallfahrzeug ein. Mit der Brechstange, Geschick und etwas Gewalt können die Türen des Unfallwracks auch ohne hydraulisches Rettungsgerät geöffnet werden. Im Rettungsgriff werden die beiden Verletzten aus dem Gefahrenbereich gebracht.

Deutlich schwieriger gestaltet sich die Rettung der beiden Unfallopfer aus dem zweiten Fahrzeug, welches im Wald liegen geblieben ist. Während „der Fahrer“ durch eine Rettungsöffnung in der Frontscheibe befreit werden kann, ist der Beifahrer schwerer eingeklemmt und muss aufwändig befreit werden. Weil nicht klar ist, ob nicht auch hier die ätzenden Dämpfe zur Gefahr für die Retter werden könnten, muss auch hier unter Atemschutz gearbeitet werden.

Der aufwändigste Teil der Feuerwehrarbeit beginnt jedoch erst, als nach nicht einmal 30 Minuten alle Unfallbeteiligten aus dem Gefahrenbereich gerettet sind. Jetzt geht es daran, die austretenden Gefahrstoffe aufzufangen und die Leckagen abzudichten. Auch hierfür ist die Freiwillige Feuerwehr Idstein besonders ausgerüstet und ausgebildet.

Bilder: Freiwillige Feuerwehr Idstein