Otto Schnabel: Ein halbes Jahrhundert für die Feuerwehr


Otto Schnabel bleibt den Idsteiner Feuerwehren auch nach 50 Jahren aktivem Dienst weiter treu


2016 08 Abschied Otto Schnabel02Fangen wir ganz nüchtern an, mit ein paar Zahlen und Fakten: Geboren wurde Otto Schnabel im Juli 1951, er wurde dieses Jahr 65 Jahre alt und eigentlich dürfte er schon seit fünf Jahren nicht mehr in der Feuerwehr aktiv sein. Doch dazu wollen wir später kommen. 1967 wurde er Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Wörsdorf. „Auf dem Dorf“ damals praktisch eine Selbstverständlichkeit im Alter von 16 Jahren. Dass das heute nicht mehr so ist, bedauert Otto manchmal, wie er selbst sagt.

1972 stand der erste und vielleicht wichtigste Meilenstein im Feuerwehrleben von Otto Schnabel an, der ihn seitdem begleitet hat: gemeinsam mit seinem langjährigen Kameraden, Hans Rüll, und dem damals amtierenden Wörsdorfer Wehrführer, Walter Volkmar, gründete er die Jugendfeuerwehr Wörsdorf. Nach zehn Jahren als Stellvertreter des Jugendfeuerwehrwartes Hans Rüll, übernimmt er 1982 selbst die Leitung, und das für weitere 18 Jahre bis ins Jahr 2000. Doch es bleibt nicht beim Engagement in Wörsdorf. Schon 1974 tritt Otto auch auf Stadtebene auf den Plan und wird stellvertretender Stadtjugendfeuerwehrwart. Und auch hier bleibt es nicht beim Stellvertreter: 1986 übernimmt er die Leitung der Idsteiner Jugendfeuerwehren von seinem Vorgänger und Idsteiner Kameraden Heinz Mönke und begleitet das Amt bis zur Jahrtausendwende.

 

DIE KINDER- UND JUGENDARBEIT ÜBER JAHRZEHNTE GEPRÄGT

Natürlich war er auch im Einsatz- und Übungsdienst der Feuerwehr Wörsdorf aktiv. Doch in seinem halben Jahrhundert hat er insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit der Feuerwehren Idstein geprägt wie kaum ein anderer. Die heute selbstverständlichen Leistungswettkämpfe und Leistungsspangen hielten in Idstein, im Untertaunus und später im Rheingau-Taunus-Kreis Einzug. So ist Otto Schnabel bis heute als Wertungsrichter bei den Wettkämpfen und Leistungsspangenabnahmen tätig. Auch bei der Organisation des jährlichen Zeltlagers der Jugendfeuerwehren war er vorne mit dabei, über viele Jahre hinweg auf Kreisebene, später für die bis zu sechs Idsteiner Jugendfeuerwehren. Bei mehr als 30 Zeltlagern war er als Organisator und Betreuer selbst mit dabei. Und so ist ein Großteil der heute in Idstein und dem Rheingau-Taunus-Kreis aktiven Feuerwehrfrauen und-männer durch seine Lehre gegangen und hat durch seine Begeisterung und sein Engagement das Ehrenamt „Feuerwehr“ zu schätzen und oft auch zu lieben gelernt.

BRANDSCHUTZERZIEHUNG BIS INS HOHE ALTER

Im Alter von fast 60 Jahren hat Otto schließlich seine jüngste Aufgabe übernommen: gemeinsam mit Dieter Grabsch ist er als Brandschutzerzieher im Auftrag der Feuerwehren Idstein unterwegs. In Grundschulen, Kindergärten und –tagesstätten und bei unzähligen Veranstaltungen der Stadt Idstein und ihrer Feuerwehren bringen sie den jüngsten Bürgern, den Erzieherinnen und Erziehern und oft auch den Eltern das richtige Verhalten bei Bränden bei. Nicht wenige haben so auch ihren Weg in die Kinder- und Jugendfeuerwehren der Stadt Idstein gefunden.

ABSCHIED AUS DEM AKTIVEN EINSATZDIENST

2016 08 Abschied Otto Schnabel04Anlässlich seines 65. Geburtstages musste vor allem die Feuerwehr Wörsdorf nun Abschied von der Einsatzkraft „Otto Schnabel“ nehmen. Nachdem er bereits im Alter von 60 Jahren die Dienstzeitverlängerung von maximal fünf Jahren in Anspruch genommen hat endet nun seine aktive Dienstzeit. Die Kameradinnen und Kameraden der Wörsdorfer Feuerwehr haben ihrem Kameraden mit einer Abschlussübung und anschließendem Grillen einen feierlichen Abschied aus dem Einsatzdienst bereitet. Mit der neuen Drehleiter durfte er einen Blick über seinen Heimatort werfen. Viele seiner Weggefährten, darunter auch Stadtbrandinspektor Werner Volkmar und Stadtjugendfeuerwehrwart Bernd Zimmermann – beide als ehemalige Schützlinge von Otto Schnabel Gründungsmitglieder der Jugendfeuerwehren Idstein - waren gekommen, um ihm ihren Dank und die höchste Anerkennung auszusprechen – für alles was er getan hat und noch tun wird.

Denn noch hat er nicht genug von der Feuerwehr und so wird Otto Schnabel auch die jüngste Möglichkeit der Hessischen Feuerwehren nutzen: Es ist die Brandschutzerziehung und -aufklärung, die Otto Schnabel bis heute begeistert und die er auch nach fast 50 Jahren nicht aufgeben möchte. Und so wird er auch die nächsten fünf Jahre bis zu seinem 70. Geburtstag den Feuerwehren Idstein erhalten bleiben – mit all seiner Erfahrung, seinem ungebrochenen Engagement und seiner ruhigen und sympathischen Art.

RECHTLICHER RAHMEN FÜR DEN AKTIVEN DIENST IN DEN FEUERWEHREN HESSEN

Natürlich erwartet jeder Bürger, dass die Retter, die jeder Hessin und jedem Hessen zur Hilfe eilen, körperlich und geistig auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit sind. Klare Regelungen trifft dazu das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG). Jeder Angehöriger einer Freiwilligen Feuerwehr muss für diese Tätigkeit „persönlich geeignet sein“ (§ 10 Abs. 1 HBKG) und darf mit Vollendung des 17. Lebensjahres in den Feuerwehrdienst aufgenommen werden. Mit Vollendung des 60. Lebensjahres endet die Dienstzeit automatisch, auf Antrag des Feuerwehrmitgliedes kann diese jedoch bis zum 65. Lebensjahr verlängert werden. (§ 10 Abs. 2 HBKG) Spätestens dann scheidet jede Feuerwehrfrau, jeder Feuerwehrmann aus dem aktiven Dienst aus und kann in jedem Fall nicht mehr am Einsatzgeschehen teilnehmen.

Seit 2016 wurde nun die Möglichkeit geschaffen, bis zum 70. Lebensjahr bestimmte Aufgaben innerhalb der Feuerwehr weiter zu übernehmen. Dazu zählen beispielsweise Aufgaben im Bereich der Ausbildung, Fahrzeugpflege- und wartung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aber auch der Jugendarbeit und der Brandschutzerziehung. Voraussetzung ist auch hier die persönliche, geistige und körperliche Eignung. Der Hessische Innenminister möchte damit die Möglichkeit schaffen, noch länger auf das enorme Wissen und Erfahrungen der Alters- und Ehrenabteilungen zurückgreifen zu können.