Beiträge

Ausbildung und Moderne Technik: Neue Idsteiner Drehleiter in Dienst gestellt


2016 02 12 JHV Idstein dan wi112 001Sie ist mit einem Anschaffungswert von knapp 600.000 Euro das wertvollste Fahrzeug im Fuhrpark der Idsteiner Freiwilligen Feuerwehren. Doch wenn sie zum Einsatz kommt, geht es oftmals um Menschenleben – zumindest aber um die Gesundheit der Idsteiner Bürger oder den Schutz von Sachwerten.

70 Einsätze musste die „alte“ Idsteiner Drehleiter alleine im Jahr 2015 bewältigen – hauptsächlich technische Hilfeleistungen. Am häufigsten kommt die Drehleiter zum Einsatz, um verletzte oder erkrankte Personen schonend aus ihrer Wohnung zu transportieren. Ganau hier stieß die bisherige Technik in den vergangenen Jahren jedoch häufig an ihre Grenzen, wie Stadtbrandinspektor Werner Volkmar erläutert: bei enger Bebauung, wie in der Idsteiner Altstadt aber auch auf den umliegenden Ortschaften so häufig vorhanden, ist der Aktionsradius immer wieder nicht ausreichend. Vor allem aber können Korb und Tragehalterung mit maximal 180 kg belastet werden – ein Gewicht das bei immer mehr Einsätzen zum Teils sehr deutlich überschritten wird.

MENSCHENRETTUNG STEHT IM VORDERGRUND

Grundsätzlich ist der Zweck einer Drehleiter die Menschenrettung. Ob bei Bränden oder in anderen Notfällen - in bis zu 30 Metern Höhe kann die Idsteiner Feuerwehr tätig werden. Aber auch aus Tiefen wie z.B. Schächten und Baugruben können Menschen gerettet werden. Natürlich können auch Brände von der Leiter aus bekämpft werden – glücklicher Weise war das in Idstein in den vergangenen Jahren nur selten notwendig. Eine unverzichtbare Sicherheit gibt das Fahrzeug auch den Atemschutztrupps der Idsteiner Feuerwehr. So wird sie bei Wohnungs- und Gebäudebränden eingesetzt, um den freiwilligen Rettern einen zusätzlichen Fluchtweg aus dem Feuer - über Fenster und Balkone - zu bieten. Nicht zuletzt sind auf dem Fahrzeug lebensrettende Technik wie ein Sprungpolster sowie ein Notfallset („Rettungstrupptasche“) für verunfallte Atemschutztrupps vorhanden.

27 JAHRE DIENST IN DER FEUERWEHR IDSTEIN

2016 02 12 JHV Idstein dan wi112 054Am vergangenen Freitag, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Idsteiner Freiwilligen Feuerwehren, wurde nun die neue Drehleiter an die Idsteiner Feuerwehr übergeben. Bürgermeister Christian Herfurth zeigte sich stolz, seiner Feuerwehr den Schlüssel für das werksneue Rettungsmittel zu übergeben.

Grundsätzlich bezuschusse das Land Hessen Ersatzbeschaffungen von Feuerwehrfahreugen ab einem Alter von 25 Jahren. Doch nicht jedes Fahrzeug halte den Beanspruchungen des Einsatz- und Übungsdienstes dann auch tatsächlich für ein viertel Jahrhundert statt. Anders bei der Idsteiner Drehleiter. Die „Old Lady“ der Idsteiner Freiwilligen Feuerwehr feierte in diesem Jahr ihr 27stes Dienstjubiläum und hat bereits 1988 das Herstellerwerk in Frankreich verlassen. Auch wenn genaue Zahlen nicht vorliegen, dürfte sie seitdem rund 1.500 Einsätze bewältigt haben – darunter Großeinsätze wie den Brand der Firma Thermoplast im Jahr 1997, mehrere Brände in der Idsteiner Altstadt und teils dramatische Unfälle auf der angrenzenden Autobahn.

Vielen Idsteiner Bürgern konnten die Idsteiner Blauröcke mit ihrer Hilfe Gesundheit und manchmal sogar das Leben retten. Gegen Ende ihrer Dienstzeit waren nun aber verschiedene altersbedingte Gebrechen zu Tage gekommen und die Verantwortlichen der Feuerwehr mussten Zweifel an der zuverlässigen Einsatzfähigkeit ihrer alten Dame anmelden.

MODERNE TECHNIK AUS DEM HAUSE ROSENBAUER

Ihre Nachfolgerin kommt nun aus dem Hause „Rosenbauer“ und wurde – gemeinsam mit vier baugleichen Leitern - im „Metz“ Traditionswerk in Karlsruhe gefertigt. Sie erfüllt alle gestellten Anforderungen und übertrifft die Leistungsfähigkeit der bisherigen Leiter in zahllosen Punkten: Die wesentlichste und auch offensichtlichste Neuerung ist sicherlich der zusätzliche Gelenkarm, der nicht nur den Aktionsradius verkleinert und damit die Einsatzmöglichkeiten in der Altstadt deutlich verbessert. Auch kann über Giebel und Hindernisse hinweg durch die zusätzliche Bewegungsrichtung gearbeitet werden. Der Korb ist nun statt mit 180 kg mit bis zu 500 kg belastbar und deutlich geräumiger. So können zukünftig Notarzt und Rettungsdienst den Patienten selbst während der Rettung aus dem Korb betreuen. Bei Brandeinsätzen finden bis zu fünf Personen Platz im Korb. Und natürlich sorgen zahllose technische Neuerungen für einen noch schnelleren und sicheren Ablauf der Einsätze.

GUTE ZUSAMMENARBEIT MIT POLITIK UND VERWALTUNG

Bereits 2010 habe man das Projekt „Neubeschaffung Drehleiter“ in Angriff genommen. Im ersten Schritt seien alle in Frage kommenden Hersteller nach Idstein eingeladen worden, um sich über deren Angebot zu informieren. Das Stadtgebiet Idstein stelle dabei hohe Anforderungen an ein Gefährt in der Familie der Hubrettungsfahrzeuge. Um im historischen Schloss eingesetzt werden zu können, muss der Leiterpark durch den niedrigen Schlossbogen passen, ein geringer Aktions- und Wenderadius ist in der dicht bebauten Altstadt unerlässlich, wobei die Rettung von Personen selbst im Veitmühlenweg, der Obergasse und dem Großen Feldbergeweg bei bis zu 18% Steigung möglich sein muss.

Intensiv hat sich die Idsteiner Feuerwehr - zum Großteil im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit –gemeinsam mit den politischen Gremien und der Verwaltung mit dem Projekt „Neubeschaffung“ auseinander gesetzt. Sowohl Christian Herfurth als auch Werner Volkmar und Markus Enders betonten dabei die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit allen politischen Instanzen.

HOHE EINSPARUNG DURCH INTERKOMUNALE ZUSAMMENARBEIT

Als Ende 2013 klar wurde, dass auch die Städte Hattersheim, Hofheim und Eppstein - aus unterschiedlichen Gründen - neue Drehleitern beschaffen mussten, habe man sich sehr schnell zu einer gemeinsamen Beschaffung der insgesamt vier Großfahrzeuge zusammengetan. Nach einer europaweiten Ausschreibung des Großauftrages war die Bestellung schließlich im Mai 2015 nach Karlsruhe gegangen und bereits im Dezember, nach nur sechs Monaten Bauzeit, konnten die vier Fahrzeuge im Herstellerwerk abgeholt werden.

Die gemeinsame Ausschreibung habe jeder Stadt gut 30.000 Euro eingespart. So auch in Idstein: Während die Neubeschaffung mit 610.000 Euro im Haushalt veranschlagt war, lagen die tatsächlichen Kosten nun bei „nur“ 580.000 Euro. Das Land Hessen habe sich mit einem Zuschuss von 153.000 Euro beteiligt. Volkmar rechne außerdem damit, dass man mit dem Verkauf der alten Leiter noch bis zu 20.000 Euro einnehmen werde.

EINSATZFÄHIG NACH 500 STUNDEN AUSBILDUNG

Seit Dezember letzten Jahres läuft nun bereits die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehrmänner und –frauen. Gut 20 Maschinsten wurden seitdem in zweitägigen Seminaren durch die Spezialisten des gerstellers Rosenbauer geschult. Darüber hinaus seien 40 Einsatzkräfte für den Einsatz im Korb der Leiter ausgebildet worden. Weit mehr als 500 Ausbildungsstunden seien so seit der Auslieferung an der Drehleiter geleistet worden. Die Idsteiner Wehrführer Markus Enders und Sebastian Härig zeigen sich daher zuversichtlich, dass das neue Fahrzeug bereits Ende Februar auch offiziell in den Einsatzdienst übernommen werden kann. Bis dahin rücke weiterhin das bisherige Fahrzeug zu Einsätzen aus.


ZAHLLOSE PROJEKTE FÜR DIE FEUERWEHREN IN 2015 UND 2016

Obwohl bei der Jahreshauptversammlung der Idsteiner Feuerwehren die neue Drehleiter eindeutig im Mittelpunkt stand, gab es in 2015 doch noch zahllose weitere Projekte, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen.

So berichtete Volkmar gleich von mehreren Bauprojekten, welche die Feuerwehren derzeit beschäftigen: nachdem der Rettungsdienst des Roten Kreuzes im August aus dem Idsteiner Feuerwehrstützpunkt ausgezogen ist, stünden nun größere Umbaumaßnahmen an. Es würden endlich angemessene Räumlichkeiten für die Jugendfeuerwehren, aber auch den Ortsverband des DRK geschaffen. Herfurth freute sich besonders, dass sich der Feuerwehrverein und vor allem die Jugendfeuerwehren hier finanziell beteiligen würden.

Ebenfalls eine große finanzielle Unterstützung ist der Stadt bei der Beschaffung einer neuen Schließanlage für alle Idsteiner Feuerwehrhäuser zugekommen. Die angefallenen 43.000 Euro seien vollständig aus der Auszahlung der bisherigen Sterbekasse gezahlt worden. Die Schließanlage ist dabei ein wichtiger Schritt um die teils hochwertige und wertvolle Technik der Feuerwehren angemessen zu schützen.
Auch den Neubau einer Fahrzeughalle in Lenzhahn werde man bis Mitte 2016 abschließen können, während man mit Unfallkassen und anderen Stellen noch in Diskussion zur Erweiterung und Modernisierung des Gerätehauses in Niederauroff sei.

Der Umstieg auf den neuen Digitalfunk sei in 2015 abgeschlossen worden, für 2016 stünde nun jedoch die Beschaffung der neuen digitalen Funkmeldeempfänger an. Hierfür sind im Haushalt 145.000 Euro vorgesehen, um die Alarmierung der Idsteiner Feuerwehren auch in Zukunft zu gewährleisten.

BEFÖRDERUNGEN UND EHRUNGEN

2016 02 12 JHV Idstein dan wi112 189

Eine ganze Reihe von Beförderungen und Ehrungen stand außerdem auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung. Besonders beeindruckt zeigten sich der Kreisbeigeordnete Heinz Junke sowie der stellvertretende Kreisbrandinspektor Karl-Heinz Gras von den Ehrungen für bis zu 40 Jahre aktiven Dienst in den Freiwilligen Feuerwehren. Unter großem Applaus wurden mit dem Goldenen Brandschutzehrenzeichen und Anerkennungsprämien des Landes Hessens für 40 Jahre Dienstzeit geehrt: Wolgang Albus (Eschenhahn), Helmut Hirschmann (Idstein), Peter Kehrein (Idstein bzw. Görsroth), Gunterh Schneider (Dasbach), Eduard Berger (Idstein), Bernd Brühl (Ehrenbach), Michael Hill (Idstein), und Uwe Schnabel (Wörsdorf).

Bilder: Wiesbaden112 - vielen Dank!

Aktuelle Seite: Home