Gemeinsame Gefahrgutausbildung der Feuerwehren

2014-11-08 CSA-Lehrgang12Gemächlich wandern 13 Gestalten in riesigen grünen und gelben Gummianzügen an der Hauptstraße entlang. Sicherlich ein ungewöhnlicher Anblick um 9 Uhr morgens und mancher Autofahrer dachte sicherlich an eine Ebola-Übung oder den ein oder anderen Hollywood-Thriller als er am vergangenen Samstag durch den Taunussteiner Ortsteil Bleidenstadt fuhr.

Doch die ungewöhnliche Prozession hatte weder einen Zusammenhang mit den Geschehnissen auf dem afrikanischen Kontinent noch waren Kamerateams zugegen. Die 13 Gestalten absolvierten gerade eine Gewöhnungsübung in sogenannten Chemikalien-Schutzanzügen – kurz CSA – und waren somit Teil einer ganz regulären Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren zum Thema Gefahrgut.

Bereits am Freitagabend hatten sich die Lehrgangsteilnehmer der Freiwilligen Feuerwehren Taunusstein, Niedernhausen und Idstein im Schulungsraum der Feuerwehr Bleidenstadt getroffen, welche den Lehrgang ausrichtete. Nach der mehrstündigen Theorie am Abend ging es am Samstagmorgen direkt in die Praxis. Die freiwilligen Helfer lernten verschiedenste Arten von Schutzanzügen kennen und wurden unter anderem über ihre Einsatzbereiche und vor allem Einsatzgrenzen aufgeklärt.

Hauptteil der Ausbildung war jedoch das Arbeiten unter der schwersten Form von Schutzanzügen, die den Feuerwehren in Deutschland für die Abarbeitung schwerer Gefahrgutunfälle zur Verfügung stehen: dem sogenannten „gasdichten Vollschutzanzug Typ 1a mit innenliegendem und umluftunabhängigem Pressluftatmer“ – oder einfach CSA. Diese besondere Form der Schutzausrüstung bietet den Einsatzkräften bei Gefahrgutunfällen den besten Schutz gegen alle Arten von Gefahrstoffen und kapselt die Helfer praktisch vollkommen von ihrer gefährlichen Umwelt ab.

Gerade deshalb bringt die Arbeit unter CSA die Einsatzkräfte jedoch bis an die Grenze ihrer körperlichen und psychischen Belastbarkeit. Neben der extrem eingeschränkten Beweglichkeit, dem enormen Gewicht der gesamten Schutzausrüstung sowie dem teils extremen Wärmestau im Anzug, kommen auch psychische Belastungen auf den Träger zu. So gestaltet sich die Kommunikation der Einsatzkräfte untereinander – ob mit oder ohne Funkgerät – ebenfalls extrem schwierig.

In verschiedenen Ausbildungsstationen wurden die Lehrgangsteilnehmer daher ganz gezielt mit den Problemen unter CSA konfrontiert: Von Verständigungsübungen ohne Sichtkontakt bis hin zum Absuchen einer vernebelten Halle war alles dabei. Auch das Umpumpen von Gefahrstoffen per Handmembranpumpe sowie das Abdichten eines Flansches wurden geübt.

Am Ende zeigte sich Lehrgangsleiter Hans-Joachim Hippler zufrieden mit den Lehrgangsteilnehmern und konnte allen 13 Teilnehmern die erfolgreiche Ausbildung zum CSA-Träger bescheinigen. Er freue sich besonders, dass die Zusammenarbeit der Feuerwehren der benachbarten Gemeinden Idstein und Taunusstein so gut funktioniere. Insbesondere im Bereich Gefahrgut arbeite man sehr gut zusammen und könne so auch im Falle eines umfangreichen Gefahrgutunfalles gemeinsam adäquat Hilfe leisten.

Bilder: Freiwillige Feuerwehr Idstein