Druckprüfung hinter Plexiglas

Idsteiner Zeitung - Regionalteil Taunusstein - vom 4. Juni 2014 | Von Mathias Gubo


TAUNUSSTEIN. Als Andreas Hill, Schauchwart bei der Freiwilligen Feuerwehr Idstein, auf den Knopf drückt, wird es laut im Feuerwehrstützpunkt in Hahn. Die neue Schlauchpflegeanlage legt los und beginnt, den von Hill zuvor angeschlossenen Schlauch in das Gehäuse zu ziehen. Ein Hochdruckreiniger mit vier Düsen übernimmt  ie Säuberung des Schlauches, je nach dem Verschmutzungsgrad wandert der Schlauch langsamer oder schneller in die Anlage hinein. Der gereinigte Schlauch wird in dem Gehäuse aufgewickelt, Hill versieht das Ende mit einem Endstopfen.

Nach jedem Einsatz

Durch den Zug wird das Wasser aus dem Gewebe gedrückt, anschließend wird der Schlauch mit 16 bar Druck aufgepumpt. 60 Sekunden muss Hill dann warten, das schreibt die Prüfordnung vor. „Damit auch die kleinste Undichtigkeit entdeckt werden kann“, erläutert der hauptamtliche Taunussteiner Gerätewart Thomas Jendryschik. Auch bei diesem Schlauch ist eine Dichtung an der Kupplung defekt, was herausspritzendes Wasser anzeigt. „Die Dichtung muss ausgetauscht werden“, stellt Hill fest. Seit Januar ist die neue Schlauchpflegeanlage der Stadt Taunusstein im Feuerwehrstützpunkt in Hahn in Betrieb. Rund 65 000 Euro hat sich die Stadt diese Anschaffung kosten lassen. Gut angelegtes Geld, wie Taunussteins Stadtbrandinspektor Martin Zywitza betont. Gleichzeitig begann damit eine Kooperation zwischen den Freiwilligen Feuerwehren von Taunusstein und Idstein. Denn die Schlauchpflegeanlage in Idstein wurde nach 30 Jahren außer Betrieb genommen. Nun lassen die Idsteiner Feuerwehren ihre Schläuche in Hahn reinigen. Besser gesagt: Sie reinigen sie selbst. Denn die öffentlich-rechtliche Vereinbarung über die interkommunale Zusammenarbeit sieht vor, dass jede Kommune das Personal zur Bedienung der Anlage selbst stellt. Also kommt Andreas Hill mit Kameraden nach Einsätzen oder Übungen von Idstein nach Hahn, um dort die mitgebrachten Schläuche zu reinigen. Abgerechnet  wird pro Schlauch am Ende des Jahres. „Bis jetzt klappt das reibungslos“, freut sich Martin Zywitza und verweist auf die Vorteile der neuen Anlage. Denn bis zu ihrer Anschaffung hat jede Stadtteilwehr in Taunusstein ihre Schläuche selbst gereinigt. „Das hat mehr schlecht als recht geklappt“, gibt Zywitza zu. Nun erfolgt die Reinigung zentral, kann von mehreren ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, die vorher eingewiesen wurden, durchgeführt werden. Michael Enders aus Hahn gilt bereits als Spezialist.

 

Schlauchpool im Aufbau

Zudem wird nun ein zentraler Schlauchpool für Taunusstein aufgebaut. Die Zeiten, in denen jede Wehr ihre eigenen Schläuche hatte, sind vorbei. Das entlastet die ehrenamtlichen Gerätewarte in den Stadtteilen, ermöglicht auch eine gesicherte Dokumentation über die Einsatzhäufigkeit und den Zustand jedes einzelnen Schlauchs. Immerhin haben die zehn Taunussteiner Feuerwehren rund 1000 Schläuche verschiedener Längen und Durchmesser. Besonders hilfreich sei, dass die Prüfung der Schläuche nun nicht nur zuverlässig und nach Vorschrift gemacht werden kann, betont Thomas Jendryschik, sondern auch sicher. Denn das Plexiglasgehäuse schützt die Bediener, sollte ein Schlauch mal platzen. Was ab und an schon einmal vorkommt. Darüber ist der Gerätewart dann aber gar nicht unglücklich. Denn dieser nicht mehr funktionstüchtige Schlauch ist wenigstens nicht während eines Einsatzes geplatzt.

Ganz zum Schluss, wenn diese Prüfung erfolgreich abgeschlossen ist, wickelt die Anlage den Schlauch vollautomatisch doppelt auf. Das hat den Vorteil, dass beide Kupplungen dann in eine Hand genommen werden können, was wiederum hilfreich ist bei einem Einsatz. Denn, da ist Stadtbrandinspektor Zywitza sicher, „der nächste Einsatz kommt bestimmt“.

ZUSAMMENARBEIT 

 Die Kooperation zwischen Taunusstein und Idstein bei der Schlauchpflegeanlage ist nur ein Baustein erfolgreicher Zusammenarbeit beider Feuerwehren. Denn der Taunussteiner Stadtbrandinspektor Martin Zywitza und sein Idsteiner Kollege Werner Volkmar haben auch weitere Formen der Kooperation angestoßen. So wurde ein gemeinsamer Katastrophenschutzzug gemeinsamer Gefahrgutzug. Zudem lässt die Idsteiner Feuerwehr ihre Schutzkleidung in Taunusstein reinigen. Diese Dienstleistung wird dann abgerechnet. Geht es nach Martin Zywitza, dann können auch weitere Feuerwehren in den Nachbarkommunen die Vorteile der Schlauchpflegeanlage nutzen. Doch ein erstes Angebot fand bisher kein Echo.