"Engel leisten ganze Arbeit" - Unfallopfer bedankt sich bei seinen Helfern

2013-12-13 Unfallopfer bedankt sich01Vor etwa drei Wochen wurden Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr zu einem schweren Verkehrsunfall zwischen Idstein und Waldems-Esch gerufen. Eine Person war schwer verletzt und wurde von den Feuerwehren Idstein und Wörsdorf aus seinem Fahrzeug befreit.

Mit einem bewegenden Artikel in der Idsteiner Zeitung bedankt sich Ghandi Maraachi heute nicht nur bei den Rettungskräften, sondern auch bei allen Ersthelfern, Ärzten und allen die ihn seitdem begleiten.

Wir freuen uns ganz besonders, dass Herr Maraachi nach diesem schweren Unfall wieder auf den Beinen ist und wünschen Ihm für die Zukunft alles erdenklich Gute! Es sind Geschichten wie diese, die uns freiwillige Helfer motivieren und die Freiwillige Feuerwehr zu unserer Leidenschaft machen!


Idsteiner Zeitung vom 13.12.2013 - Von Ingrid Nicolai

IDSTEIN - Ein Schutzengel? Ghandi Maraachi lacht. „Ganz viele Schutzengel" habe er am 27. November auf der B 275 gehabt, als er bei einem schweren Verkehrsunfall in seinem total demolierten Auto eingeklemmt und von der Feuerwehr aus dem Wrack geschnitten wurde, bevor er nach Wiesbaden in die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken kam. Man vermutete innere Verletzungen und eine Gehirnerschütterung. Zwei Wochen später sitzt er putzmunter in der Redaktion dieser Zeitung und zitiert Udo Jürgens. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an..." Sein Geburtstag ist Mitte Februar – und künftig auch am 27. November. Nach drei Tagen ist er wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden; er hat noch nicht einmal einen Kratzer.

 2013-11-27 Schwerer VU B275 Idstein-Esch01Der Waldemser, der schon seit 30 Jahren im Idsteiner Land lebt, ist an dem schicksalhaften Vormittag von Idstein nach Oberursel unterwegs, als ihm in Höhe der Abfahrt zum Gänsberg von einem 73-jährigen Autofahrer die Vorfahrt genommen wird. Maraachi versucht noch auszuweichen, kann aber einen frontalen Zusammenstoß nicht verhindern. Der Airbag geht auf, schützt ihn vor dem Aufprall, der seinen Daimler in Schrott verwandelt. Wenig später ist er nicht mehr allein, vorbeikommende Autofahrer halten an, leisten Erste Hilfe, so weit das möglich ist, denn der 65-Jährige ist eingeklemmt. Gegen die Kälte bekommt er eine Rettungsfolie, eine Autofahrerin reichte ihm sogar eine kleine mobile Sauerstoffmaske, was für ihn aber genauso wichtig in dieser Situation ist: „Wildfremde Menschen haben meine Hände gehalten und mir Mut zugesprochen: Alles wird gut."

Es ist tatsächlich alles gut geworden, und Maarachi vergisst dabei auch nicht den 73-Jährigen, der den Unfall ebenfalls ohne größere Verletzungen überlebte und bei ihm im Krankenhaus anrief und sich nach dessen Gesundheitszustand erkundigte.

Maraachi will nach dem Unfall nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Danke zu sagen, das ist ihm eine Herzensangelegenheit. Und dabei meint er nicht nur die anderen Autofahrer, die anhielten, sondern auch die „Engel in Uniform", wie er lächelnd die Polizei, die Feuerwehrleute aus Idstein und Wörsdorf sowie die Rettungskräfte aus dem Notarztwagen beschreibt. Deren Professionalität sei keine Selbstverständlichkeit – und war bei diesem Einsatz auch nicht ganz einfach. Der Polizei wurde der schwere Verkehrsunfall gegen 10.15 Uhr gemeldet. Nach ersten Notrufen mussten die Rettungskräfte zunächst von einem Zusammenstoß im Bereich der Wiesbadener Straße ausgehen. Nachdem die ersten Helfer des Deutschen Roten Kreuzes dort jedoch keinen Unfall finden konnten, wurde der Suchradius auf den gesamten Bereich der Bundesstraße zwischen Idstein und Waldems-Esch ausgedehnt. Im Bereich der Abfahrt L3026 Richtung Idstein Gänsberg und Heftrich wurden schließlich die total beschädigten Fahrzeuge gefunden.

Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Idstein und Wörsdorf setzten zur schonenden Rettung von Maraachi schweres hydraulisches Rettungsgerät ein. Sie entfernten damit Türen und Dach des Fahrzeugs, um eventuelle Schädigungen der Wirbelsäule zu vermeiden. „Ich bin dann im Krankenhaus aufgewacht, wusste zunächst gar nicht, wo ich bin." Ob das der Himmel oder die Hölle sei, wollte der 65-Jährige vom Arzt wissen, dann ist ihm alles wieder eingefallen. Und seitdem überlegt er, warum er so viel Glück hatte.

Voll des Lobes ist er für das deutsche Rettungssystem und erzählt im gleichen Atemzug, dass er noch nie Probleme mit der Integration gehabt habe. Als junger Mann ist er aus Syrien nach Deutschland gekommen „und habe so viele freundliche, hilfsbereite Menschen kennengelernt".

Im Idsteiner Land kennen ihn viele durch seine frühere Tätigkeit als Marktleiter von Grosso und später Edeka. Soziales Engagement war ihm dabei stets ein Anliegen, erzählt er von zahlreichen Projekten und Initiativen für bedürftige Menschen. „Vielleicht habe ich am 27. November ja etwas zurückbekommen."

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