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Zeitungsartikel zum Tag der offenen Tür 2011

Puppenrettung im Disconebel

27.09.2011 - IDSTEIN

Von Kim Bernhardt


 

TAG DER OFFENEN TÜR Besucher schlüpfen in die Rolle von Idsteiner Feuerwehrmännern

„Florian Idstein 25, 2000 Liter pro Minute." Hierbei handelt es sich nicht etwa um die Kontaktanzeige eines trinkfreudigen jungen Mannes, sondern um den Namen des Tanklöschfahrzeugs 20/45 der Idsteiner Feuerwehr. „Die Funkrufnamen der Feuerwehrfahrzeuge beginnen alle mit dem Namen Florian, denn der heilige Florian ist unser Schutzpatron", erklärt einer der 74 ehrenamtlichen Helfer der freiwilligen Feuerwehr Idstein.

Beim Tag der offenen Tür auf dem Idsteiner Feuerfeuerstützpunkt stehen die Blauröcke den Besuchern zur Verfügung, beantworten geduldig die Fragen der kleinen und großen Feuerwehr-Fans oder zeigen das Innenleben eines Rüstfahrzeuges. Sorgen um die Sicherheit muss sich wegen der Veranstaltung trotzdem niemand machen: Während der Feier vertritt die Feuerwehr Wörsdorf die Einsatzabteilung in Idstein.

 

Und so läuft ein Alarm ab: Zunächst geht der Notruf in der Leitstelle Bad Schwalbach ein, die von dort aus den Einsatz organisiert. Der 1876 gegründeten Idsteiner Feuerwehr kommt dabei eine gesonderte Rolle zu, denn als Stützpunktfeuerwehr des Rheingau -Taunus-Kreises ist sie verpflichtet, den umliegenden Gemeinden und Ortschaften bei größeren Einsätzen Hilfe zu leisten.

Dass liegt auch daran, dass die ehrenamtlichen Helfer in Idstein über Sonderfahrzeuge verfügen, wie zum Beispiel einer Drehleiter 23-12 mit Korb. Die nächste Drehleiter steht den Rettern erst wieder in Bad Camberg oder in Taunusstein zur Verfügung. Da aber zur Menschenrettung mehrere Drehleitern unerlässlich sind, wird die Feuerwehr Idstein oft zu größeren Bränden hinzugerufen. Für die ehrenamtlichen Helfer selbstverständlich. „Bei uns heißt es: einer für alle", so Peter Weber, ein Motto, das auch die Jugendfeuerwehr verinnerlicht.

„Hier ist nicht alles nur Spaß und Spiel", so Alexander Königstein, Betreuer der Abteilungen Jugendfeuerwehr, die nächstes Jahr ihr 40-Jähriges feiert. Zuzeit bereiten sich 23 Jugendliche, darunter vier angehende Feuerwehrfrauen, auf den Ernstfall vor. In naher Zukunft wird man sogar fünf Jugendliche in den Einsatz der freiwilligen Feuerwehr Idstein übernehmen.

Bis es so weit ist, müssen die Zehn- bis Siebzehnjährigen aber einiges an Übung und Erfahrung gewinnen. Alle zwei Wochen werden solche Übungen durchgeführt, die immer einem vorher ausgearbeiteten Thema folgen. Aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Gemeinsam besucht man Kletterparks, Bowlingbahnen oder das Schwimmbad. Das stärkt den Zusammenhalt, denn Teamarbeit ist bei der Feuerwehr keine hohle Floskel. „ Ich muss mich auf meine Kollegen verlassen können und das unter Einsatz meines Lebens", sagt Alexander Königstein.

Wie wichtig die Zusammenarbeit ist, kann der Besucher am Tag der offenen Tür hautnah erleben. Ein Brandsimulationszelt demonstriert, was auf die Feuerwehr bei einem Zimmerbrand zukommt. Hier kann jeder einmal in die Uniform eines Feuerwehrmanns schlüpfen und sich in das Zelt wagen. Schnell wird klar, warum man sich im wahrsten Sinne des Wortes blind vertrauen muss: Sehen kann man in dem mit Disconebel verrauchten Zelt so gut wie gar nichts. Nur wer auf dem Boden kriecht und eine Wärmebildkamera benutzt, kann genug erkennen, um den Trupp, bestehend aus drei Mann, durch das Zelt zu führen.

Um einen Zimmerbrand möglichst realistisch darzustellen, hat die Feuerwehr in dem Zelt Hindernisse aufgebaut, weshalb man nur bäuchlings und robbend vorwärtskommt. Als sich auch noch herausstellt, dass zwei Laien zu schwach sind, um eine 50 Kilogramm schwere, schlaffe Puppe aus dem Zelt zu retten, kann dem Besucher schon mulmig werden.

Ihre Übungen mit Atemschutzmaske führt die Feuerwehr zum Beispiel im alten Krankenhaus durch, das zu Zeit leer steht. Dazu spielen die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Verletzte, die es zu bergen gilt. „Hinzu kommen zweimal im Monat Übungen mit Fahrzeugen", versichert der Vorsitzende Peter Weber. Wem die Aufregung im Simulationszelt noch nicht genug ist, der kann an diesem Tag seine Höhenangst am mobilen Hochseilgarten Idstein überwinden und bekommt dabei einen Eindruck von der Rettung in luftiger Höhe durch eine Drehleiter.

Quelle: Wiesbadener Tagblatt
Dienstag, 27. September 2011 11:20 Uhr
URL: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/idstein/11201546.htm

Bilder: FF Idstein

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