Zeitungsartikel vom 03.01.2012: Ehrenamt mit hohem Anspruch

Von Ingrid Nicolai

FEUERWEHR Von der Organisation im Hintergrund bis zum Einsatz vor Ort - aus dem Alltag von Werner Volkmar


 

Mit Teamgeist und Organisationstalent, technischem Know how und Zuverlässigkeit auf Erfolgskurs - wäre die Feuerwehr ein Wirtschaftsunternehmen, würde man es vielleicht mit diesen Worten beschreiben. Für Stadtbrandinspektor Werner Volkmar ist das gar nicht so weit hergeholt. Für ihn ist die Idsteiner Freiwillige Feuerwehr mit ihren 308 „Mitarbeitern" ein „kleines mittelständisches Unternehmen". Und während für viele Unternehmer Mitarbeiter in erster Linie ein unangenehmer Kostenfaktor sind, stellt Volkmar „seine Leute" gerne in den Vordergrund: „Die Mannschaft zählt."

 

Teamarbeit, Zuverlässigkeit und Disziplin

Die Ehrenamtlichkeit, auf die der Dienst bei den Blauröcken in der Hexenturmstadt basiert, hat freilich auch ihre Tücken. Das Verständnis des Arbeitgebers, wenn einer seiner Mitarbeiter zum Einsatz muss, hält sich in Grenzen. Und auch der Mitarbeiter selbst überlegt sich mitunter sehr genau, ob er auf einen Alarm reagiert, wenn dadurch sein Projektplan durcheinandergerät, sein Auftrag nicht ordentlich erledigt werden kann.

So kritisch ein aktiver Feuerwehrmann auf der einen Seite von manchen Chefs beurteilt wird, für junge Menschen kann die Freiwillige Feuerwehr im Lebenslauf ein Türöffner für einen Job oder einen Ausbildungsplatz sein. Denn wer sich bei der Feuerwehr auskennt, der weiß, wie Teams arbeiten, wie wichtig Zuverlässigkeit und Disziplin sind. Bei einem echten Einsatz können diese Tugenden Leben retten.

Werner Volkmar hat das im Laufe vieler Jahre selbst erfahren. Wie ein roter Faden zieht sich die Feuerwehr durch sein Leben. Im Alter von zehn Jahren hat er in Wörsdorf bei der Jugendfeuerwehr angefangen und ist heute noch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort. Nach einer Ausbildung zum Informationselektroniker bewarb er sich bei der Berufsfeuerwehr in Wiesbaden, wo er bereits 27 Jahre tätig ist. Er ist stellvertretender Leiter der Abteilung Katastrophenschutz und Leiter im Einsatzdienst, das bedeutet jeden sechsten Tag einen 24-Stunden-Dienst. In Idstein gehören 308 Einsatzkräfte zu seinem Team (darunter 31 Frauen), die sich auf elf Freiwillige Feuerwehren in den Stadtteilen verteilen; zudem gibt es sieben Jugendfeuerwehwehren (ab zehn Jahre) und drei Kindergruppen (sechs bis zehn Jahre). Gerade bei den Jüngsten steigt die Nachfrage. „Da können wir auf Nachwuchs hoffen", ist Volkmar optimistisch.

Insgesamt 230 Einsätze im Jahr 2011

Die Mannschaftsstärke ist zwar in Idstein besser als in vielen strukturschwachen Gebieten, „das heißt aber nicht automatisch, dass tagsüber genügend Leute zur Verfügung stehen", schränkt der Stadtbrandinspektor ein. Deswegen ist es auch seit einiger Zeit Usus, dass bei einem Alarm mehrere Stadtteil-Feuerwehren zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen.

230 Einsätze gab es insgesamt im vergangenen Jahr: 61 Brände wurden bekämpft, 77 Mal standen technische Hilfeleistungen an, wie nach Stürmen und bei Wasserschäden, zur Tierrettung oder Türöffnung.

28 Mal wurden Nachbargemeinden unterstützt, da die Idsteiner Feuerwehr eine „Feuerwehr mit überörtlichen Aufgaben" ist. So ist zum Beispiel die Drehleiter in Niedernhausen, Taunusstein und Waldems im Einsatz. Aber auch der Rüstwagen für technische Hilfeleistungen und Sonderfahrzeuge für Gefahrgut-Einsätze zeichnen die hiesige Feuerwehr aus.

Die Mitglieder zu organisieren, das Material zu verwalten, all das gehört zu den Aufgaben eines Stadtbrandinspektors, der von einer Verwaltungskraft der Stadt unterstützt wird. Alle fünf Jahre muss der Bedarfsentwicklungsplan aktualisiert werden, sonst gibt es keine Zuschüsse, und auch die Ausstattung muss stets den neuesten gesetzlichen Vorgaben entsprechen. In diesem Sinne wurden jetzt zum Beispiel neue Schutzhandschuhe angeschafft. Größere Anschaffungen müssen teilweise europaweit ausgeschrieben werden.

Von der Stadt fühlt sich der 50-Jährige gut unterstützt: „Da wird auf unsere Kompetenz vertraut." Und diese Akzeptanz erfahren die Feuerwehrleute auch immer wieder bei Einsätzen. Sie erledigen ihren Job wie die Profis, und so ist es kein Wunder, dass sie von erstaunten Bürgern manchmal ungläubig gefragt werden: „Wie, Sie machen das im Ehrenamt?"

Quelle:http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/untertaunus/idstein/11529662.htm