Serie der Idsteiner Zeitung: "Der Experte in Sachen Luft"

02.06.2012 - IDSTEIN - Von Ingrid Nicolai

FEUERWEHR - Markus Middel leitet ehrenamtlich die Atemschutzwerkstatt

So wichtig wie die Luft zum Atmen - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes - ist die Aufgabe von Markus Middel bei der Idsteiner Feuerwehr. Seit drei Jahren ist er Leiter der Atemschutzwerkstatt, wo er von seinen Kameraden Bernd Zimmermann, Jörg Steinmann und Robert Greiner unterstützt wird, wenn es um die Pflege und Wartung der 125 Atemschutz-Masken, 64 Geräte und 74 Lungenautomaten geht. Neben den normalen Übungen bedeutet das einen Mehraufwand von drei bis vier Stunden in der Woche, die der 40-jährige Idsteiner ehrenamtlich absolviert.

„Da darf nichts schiefgehen", betont Stadtbrandinspektor Werner Volkmar die hohe Verantwortung in diesem Ehrenamt. Und Kreisbrandinspektor Markus Enders ergänzt: „Das ist eine besondere Führungsverantwortung mit hohem zeitlichen Aufwand."

Viel Fingerspitzengefühl

Markus Middel ist mit Ernst bei der Sache, wenn er in seiner Werkstatt demonstriert, wie er die Geräte mit viel Fingerspitzengefühl auseinanderbaut, desinfiziert und prüft, und wie ihn der Computer - seit etwas über einem Jahr im Einsatz - bei der Dokumentation unterstützt. „Die Einhaltung von genauen Abläufen und Vorschriften ist besonders wichtig, nicht nur, weil das Funktionieren der Atemschutzgeräte für die Kameraden lebensnotwendig ist, sondern auch weil nachvollzogen werden muss, wo genau der Fehler lag, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es sein sollte", erklärt Middel. Daher muss auch jeder Geräteträger nach Gebrauch einen Übergabe-Zettel ausfüllen und gibt eine große Magnettafel die notwendigen Informationen, auf welchem Fahrzeug sich gerade welche Geräte befinden.

Vor drei Jahren hat die Idsteiner Feuerwehr auf einen einzigen Gerätetyp umgestellt, um die Handhabung zu vereinheitlichen. In regelmäßigen Seminaren werden die 90 ausgebildeten Atemschutzgeräte-Träger auf den aktuellsten Stand gebracht, sprechen so „die gleiche Sprache" und können das taktische Vorgehen gemeinsam üben.

Einmal im Jahr wird genau dieser Ernstfall geprobt, bisher war das Alte Krankenhaus Einsatzort. Eine schweißtreibende Angelegenheit: Räume werden abgedunkelt und verraucht und mit über 25 Kilogramm zusätzlichem Gewicht (Geräte und Spezialkleidung) wird sich auf die Suche nach verletzten, hilflosen Personen sprich Puppen gemacht, die dann - auch unter Atemschutz - aus dem Gebäude geschafft werden müssen. Ein ebenfalls voll ausgerüsteter Sicherheitstrupp steht parat, sollte der erste Trupp in Gefahr geraten. Über Funk wird der Einsatz überwacht, wird nicht zuletzt genau auf die Uhr geschaut. Die Einsatzzeit beträgt maximal 30 Minuten.

Der Ernstfall, bei dem das Atemschutzgerät benötigt wird, gehört zum Alltag der Feuerwehr. Wie Werner Volkmar betont, werde fast bei jedem Feuer und insbesondere bei Nachlöscharbeit unter Atemschutz gearbeitet, um sich vor giftigen Gasen, die oft weder zu sehen noch zu riechen seien, zu schützen. Auch bei Chemie-Unfällen spielt das eine Rolle. Die sechs Chemie-Schutzanzüge der Idsteiner Feuerwehr werden regelmäßig bei Infraserv in Wiesbaden gewartet.

Seit 25 Jahren ist Markus Middel bei der Feuerwehr aktiv und als Leiter der Atemschutzwerkstatt über das normale Maß hinaus ehrenamtlich aktiv. Was ihn motiviert? „Bei allen Pflichten kommt der Spaß nicht zu kurz", sagt er. Und er mag es, mit den Händen arbeiten zu können, denn auch bei seiner beruflichen Tätigkeit als Industriemeister bei Opel in Rüsselsheim werden immer mehr Computer eingesetzt.

Wenn es um das Retten von Menschenleben geht, erleben Feuerwehrmänner Himmel und Hölle. Es ist wunderbar, wenn ein Unglück gut ausgeht, und mitunter schrecklich wenn nicht. Auch Markus Middel kann solche Einsätze, nicht vergessen, nach denen besonders deutlich wird: Nicht nur die Luft zum Atmen, auch das Leben selbst ist keine Selbstverständlichkeit.

Der Artikel stammt aus der Idsteiner Zeitung vom 02.06.2012 und ist in der Online Ausgabe des Wiesbadener Tagblatts zu finden.

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