Serie der Idsteiner Zeitung: Auf Nummer Sicher mit guter Vorbereitung

19.06.2012 - IDSTEIN - Von Ingrid Nicolai


 Feuerwehr - Sebastian Härig ist für die Einsatzplanung im Vorfeld verantwortlich

Es gibt schönere Arten geweckt zu werden. Der Funkmeldeempfänger, mit dem die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren ausgestattet sind, macht im Falle einer Alarmierung einen ohrenbetäubenden Lärm, der auch in der Tiefschlafphase nicht zu überhören ist. In einer anschließenden Durchsage gibt es erste Infos, dann heißt es ruckzuck zum Stützpunkt und von dort mit dem notwendigen Gerät zum Einsatzort.

Wie viel Feuerwehrkollegen dann da tatsächlich eintreffen, kann im Vorfeld nur geschätzt werden. Dass es nie zu wenig sind und im Bedarfsfall schnell und rechtzeitig Verstärkung angefordert werden kann, hat etwas mit der Motivation der Männer und Frauen zu tun, die bei der Feuerwehr ehrenamtlich ihren Dienst versehen. Aber auch mit Planung. Nur ein paar Minuten können den Unterschied machen zwischen gesund oder krank, tot oder lebendig.

 

Sebastian Härig, der bei der Idsteiner Feuerwehr ehrenamtlich für die Einsatzplanung im Vorfeld zuständig ist, weiß um diese große Verantwortung auch, weil er die verschiedenen Einsatzbereiche ganz praktisch aus eigener Erfahrung kennt. Schon seit seinem zwölften Lebensjahr ist der 31-jährige Idsteiner Mitglied der Feuerwehr.

Ob es sich nun um einen Wohnungsbrand oder eine technische Hilfeleistung bei einem Verkehrsunfall handelt, um einen Vorfall auf der ICE-Strecke oder um die Folgen eines schweren Unwetters ... jeder Einsatz ist anders. Und das Land Hessen legt im Grundsatz fest, wie mit den unterschiedlichsten Szenarien umgegangen wird.
Besondere Gebäude

Es wird versucht, so wenig wie möglich dem Zufall zu überlassen. Daher gibt es bei der Feuerwehr nicht nur detaillierte Karten des Einsatzgebietes, sondern auch jede Menge Pläne „besonderer" Gebäude in Idstein: Schulen, Altenheime, Geschäfte, Büros ... alles ist fein säuberlich sortiert in einem Aktenschrank abgelegt, den Härig in der Einsatzzentrale des Feuerwehr-Stützpunktes öffnet. Das Wissen um die baulichen Gegebenheiten wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht, ist im Falle eines Falles abrufbar.

„Eine feste Größe bei der Planung sind die Fahrzeuge und Geräte", erklärt er. Deren Pflege und Wartung haben naturgemäß einen hohen Stellenwert. „Keiner mag unliebsame Überraschungen in gefährlichen Situationen", betont Wehrführer Patrik Buhlmann, der in seinem Leben schon unzählige Einsätze geleitet hat, und für den es besonders wichtig ist, dass die Mannschaft vor Ort eine Sprache spricht.

Rund 300 Freiwillige Feuerwehrmänner und -frauen gibt es insgesamt in Idstein. Mit zahlreichen Übungen im Jahr und Seminaren beispielsweise zu technischen Hilfeleistungen oder der Benutzung der Drehleiter sollen die Kräfte der Kernstadt und der Ortsteile auf einem Level agieren. Buhlmann: „Gemeinsam sind wir eine große Feuerwehr."

Stadtbrandinspektor Werner Volkmar hat beobachtet, dass nicht nur der Teamgeist, sondern auch die Herausforderungen bei neuen Aufgaben motivierend wirken. „Die Leute wollen gefordert werden." Die nächste Herausforderung wird die neue Drehleiter sein, die vermutlich im kommenden Jahr in Betrieb genommen wird.

Drehleiter im Praxistest

Auch hierfür war und ist eine langfristige Planung notwendig. Alle fünf Jahre muss der Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehr erneuert und vom Magistrat genehmigt werden, damit Fördergelder vom Land fließen können. Die alte Drehleiter ist 25 Jahre alt, derzeit laufen Anfragen bei Herstellern, dann muss europaweit ausgeschrieben werden. In den Praxistest müssen mögliche Drehleitern auch. Der wird dann in der Idsteiner Altstadt stattfinden.

Weniger spannend als die planerische Vorarbeit ist die Nacharbeit. Einsatzberichte müssen geschrieben werden, das Formularwesen ist umfangreich. Und ab und zu geht auch eine Rechnung in die Post, denn die Feuerwehrmänner und -frauen versehen ihren Dienst zwar ehrenamtlich, aber nicht jede Leistung der Feuerwehr ist kostenlos.

Bild: "Hier laufen die Fäden zusammen, und die planerische Vorbereitung muss stimmen: Die Idsteiner Einsatzleitstelle der Freiwilligen Feuerwehr mit (von links) Andreas Imlintz, Sebastian Härig und Sascha List." Foto: wita/Martin Fromme

Serie: Damit im Falle eines Falles die Freiwillige Feuerwehr in Idstein optimal einsatzbereit ist, muss hinter den Kulissen jede Menge Vor- und Nacharbeit geleistet werden. Zum größten Teil geschieht das ehrenamtlich. In unserer Serie stellen wir verschiedene Arbeitsbereiche in loser Folge vor.

Hier der Linke zum Artikel: Idsteiner Zeitung vom 19.06.2012: "Auf Nummer sicher mit guter Vorbereitung"