Idsteiner Zeitung vom 30.07.2012: Rauchgrenze an der Fischtheke

von Ingrid Nicolai

FEUERWEHR Große Alarmübung bei EDEKA / Atemschutz, Drehleiter und Wasserwerfer im Einsatz


8.34 Uhr. Feuer bei Edeka. Angestellte und Kunden retten sich ins Freie auf den Parkplatz. Aber schnell ist klar, einige haben es nicht nach draußen geschafft, sind noch im Gebäude. Zwischen den Regalen im Verkaufsraum, in den Büros im ersten Stock oder im Lager... der Rauch versperrt jede Sicht, und die Temperaturen nehmen erbarmungslos zu.

Ein Szenario, das hoffentlich nie Wirklichkeit werden wird, aber Basis für eine große Alarmübung war, hielt gestern die Idsteiner Feuerwehr in Atem, aber auch Anwohner, die zunächst nicht wussten, warum das Sirenengeheul kein Ende nahm.

Unterstützung angefordert

Denn nachdem die Brandmelde-Anlage (von einem Feuerwehrmann mit einem gezielten Schlag) ausgelöst worden und der erste Trupp mit Löschfahrzeug, Drehleiter und Einsatzleitwagen vor Ort war, stellte sich schnell heraus: Unterstützung ist vonnöten. Und so wurden nach und nach die Kameraden und Kameradinnen aus Wörsdorf, Ober- und Niederauroff, Ehrenbach und Dasbach verständigt. „Ist nur eine Übung", wurde einer besorgten, alten Dame, die verängstigt auf ihrem Balkon in der Straße Am Rödchen stand, zugerufen.

 

Auch, wenn kein Einsatz dem anderen gleicht, darf bei der Brandbekämpfung nichts dem Zufall überlassen werden, und so gilt es, sich zunächst über den sogenannten Anlaufpunkt und den Brandmeldetresor den Hauptschlüssel für das Gebäude zu besorgen, um sich über dort hinterlegte Karten einen theoretischen Überblick verschaffen zu können, bevor es dann ins Gebäude geht. Zunächst gilt es zu klären, wo genau der Alarm ausgelöst wurde. Bei einem Supermarkt dieser Größenordnung gibt es laut stellvertretendem Kreisbrandinspektor Markus Enders rund 150 Meldeeinrichtungen in Form von Sprinklern, Rauch- und Druckknopfmeldern.

Zwischenzeitlich macht sich der erste Atemschutz-Trupp schon mal startklar, werden Schläuche ausgerollt. Zeit ist Leben. Und tatsächlich: 18 Personen werden vermisst. Nachdem die zweite Stahltür zu den Verkaufsräumen geöffnet ist, gehen die Feuerwehrmänner in die Knie: Unten ist die Sicht besser, sind die Temperaturen nicht so hoch. Mit einer Wärmebildkamera wird nach den Vermissten gesucht. Draußen steht bereits der nächste Atemschutz-Trupp; zur Sicherheit für die Kameraden und als Ablösung.

„Rauchgrenze" steht ein Schild an der Fischtheke, „Feuer" ist bei der Tiefkühl-Pizza zu lesen. Mit „echtem" Rauch wird heute nicht geübt. „Das Be-Rauchen und Entlüften würde hier viel zu lange dauern", erklärt Enders. Aber spezielle Übungen mit Atemschutzgerät, schlechter Sicht und starker Hitze, werden regelmäßig trainiert.

Nachwuchs als Statisten

Während im Gebäude nach Verletzten gesucht wird - Mitglieder der Jugendfeuerwehr haben sich gerne als Statisten zur Verfügung gestellt - wird draußen die Drehleiter ausgefahren. Aus dem ersten Stock werden Angestellte gerettet, die es nicht mehr übers Treppenhaus nach draußen schafften.

Im Funkverkehr geht es um klare, eindeutige Informationen, die ausgetauscht, Anweisungen, die gegeben werden. Das hört sich an wie Löschen mit Zahlen: 11, das ist der Einsatzleitwagen, 30 die Drehleiter, Idstein 01 gibt gerade durch, dass die Kanäle getrennt werden müssen. „Einer soll für die Atemschutz-Trupps frei bleiben", sagt Volkmar.

Von den zunächst 18 Vermissten tauchen noch einige auf, schließlich sind es fünf, die im Laden gefunden werden müssen. „Gemüse ist jetzt auch erledigt", sagt ein Beobachter. Jetzt fehlt nur noch der Verletzte in der Nudelabteilung.

Beobachter - auch die spielen eine wesentliche Rolle bei einer großen Alarmübung. Sie schreiben auf, wo es hakt, nicht rund läuft, der Kommunikationsfluss nicht stimmt, etwas zu lang dauert. Manchmal fehlt nur ein kleiner Keil, damit die Tür offen gestellt werden kann - aber auch der kann lebensrettend sein.

Wasser marsch!

Während die einen innen mit der Personenrettung beschäftigt sind, bekämpfen die anderen das Feuer von außen. Schläuche ausrollen, an Hydranten anschließen, je höher der Einsatzort liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein Druckproblem zu bekommen. Hydrant ist nicht gleich Hydrant. „Wasser marsch aus allen Rohren", ruft Volkmar ins Funkgerät und wenige Sekunden später sind auch die Wasserwerfer (Richtung Parkplatz) im Einsatz, bevor die Übung beendet wird.

„Das ist heute gut gelaufen", lobt er die Mannschaft, weiß aber auch, dass die Beobachter Verbesserungswürdiges notiert haben. „Und das ist gut so, wir wollen schließlich von so einem Einsatz lernen und uns weiter entwickeln."

Da steigt (echter) Rauch in die Nase, das kann doch eigentlich gar nicht sein... Die Geschäftsleitung des Supermarktes hat den Grill angezündet. Zum Abschluss der Übung werden Feuerwehrleute und Angestellte zu Grillwürstchen und einer Erfrischung eingeladen. 9.34 Uhr bei Edeka.