Idsteiner Feuerwehren steigen um auf digital

Pressebericht der Freiwilligen Feuerwehr Idstein


 In vielen Bereichen des Lebens gilt neueste Technik als selbstverständlich. So klingt es fast ein bisschen absurd zu sagen: „Die Idsteiner Freiwilligen Feuerwehren starten ins digitale Zeitalter".

Tatsächlich wurde und wird bis heute die Kommunikation der verschiedenen Hilfsorganisation mit Hilfe einer analogen Technik abgewickelt, dem sogenannten BOS-Funk. Dies betrifft sowohl die Polizei als auch den Rettungsdienst, das Technisches Hilfswerk und die Freiwilligen Feuerwehren. Funkgeräte stellen für alle Einsatzkräfte das zentrale Kommunikationsmedium dar. Von der Alarmierung der Helfer mittels Funkmeldeempfänger über die Informationsweitergabe von der Leitstelle zu den Rettern bis hin zur Verständigung an den Einsatzstellen läuft fast nichts ohne Funk. Handys kommen nur selten zum Einsatz, da die meisten Informationen mehrere Einsatzkräfte gleichzeitig erreichen müssen.

Verzögerter Wechsel

Obwohl sich die analoge Technik seit Jahrzehnten bewährt hat, bietet das digitale Netz gravierende Vorteile auf die die Landesregierungen Hessens und anderer Bundesländer nicht mehr verzichten möchten. Der wohl wichtigste Punkt ist die Sicherheit des Netzes. Bisher ist es beinahe problemlos für jedermann möglich, den Funkverkehr der Feuerwehren und Rettungsdienste abzuhören. Wissen muss man dazu lediglich den richtigen Funkkanal. Dabei besteht stets die Gefahr, dass private oder brisante Informationen ans falsche Ohr geraten. Der Digitalfunk soll das annähernd unmöglich machen.

Darüber hinaus bieten die neuen Funkgeräte eine Vielzahl nützlicher Funktionen zur Organisation und Koordinierung der Einsatzkräfte sowie eine deutlich verbesserte Sprachqualität. Das notwendige Funknetz, ähnlich dem Handynetz, wurde im Rheingau-Taunus-Kreis bereits während der letzten Jahre ausgebaut und ist nun einsatzbereit.

Ursprünglich war der Sprung ins digitale Zeitalter bereits zur Fußball Weltmeisterschaft 2006 geplant, wurde jedoch immer wieder nach hinten verschoben. Der Wechsel wird nun in mehreren Schritten durchgeführt: nachdem die notwendige Infrastruktur für das neue Netz geschaffen wurde, werden zuerst die tragbaren Handfunkgeräte ausgetauscht. Die in den Fahrzeugen fest eingebauten Geräte sollen 2013 umgerüstet werden. Dazu gehört auch die Umrüstung der Leitstelle der Feuerwehr in Bad Schwalbach. Voraussichtlich 2015 soll dann auch die Alarmierung digital erfolgen, die hierfür notwendigen „Piepser" sind jedoch aktuell noch in der Entwicklung und stehen bislang noch nicht zur Verfügung.

Feuerwehren werden in Idstein geschult

Vor einigen Wochen sind im Feuerwehrstützpunkt in Idstein nun insgesamt 117 Handfunkgeräte aus dem Hause Motorola eingetroffen. Nach den Städten Bad Schwalbach und Niedernhausen sind die freiwilligen Helfer in Idstein damit die dritten im Kreis, die mit den neuen Geräten arbeiten dürfen.

Die Schulung der fast 300 Feuerwehrmänner und –frauen haben die Kreisbrandmeister mit Aufgabengebiet Funk, Matthias Dörr und Frank Pioch, übernommen. Beide beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Einführung des Digitalfunks. Dörr ist ehrenamtliches Mitglied der Expertengruppe „Digitalfunk" des Landes Hessen und war bereits an den ersten Überlegungen im Jahre 1999 beteiligt. Frank Pioch beschäftigt sich auch beruflich mit der Thematik und ist im Innenministerium des Landes Rheinlandpfalz Mitglied der Projektgruppe „Digitalfunk".

An bisher sieben Schulungsterminen im Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr Idstein wurden die zwölf Feuerwehren der Stadt mit den Handfunkgeräten vertraut gemacht. Dabei müssen sich die freiwilligen Helfer an einige Neuerungen gewöhnen, auch wenn die Regeln des eigentlichen Funkens sich nicht ändern.

Der zweite und eventuell ein dritter Teil der „Aufbauschulungen Digitalfunk" folgt mit der Einführung des Fahrzeugfunks im nächsten Jahr. In den folgenden Wochen gehen die Geräte vorerst nur in den Übungsbetrieb in den Feuerwehren. Voraussichtlich im Spätherbst will der Leiter der Idsteiner Feuerwehren, Werner Volkmar, die Geräte jedoch auch im Ernstfall zum Einsatz bringen. Verschrotten kann man die „alte" Technik dennoch nicht gänzlich. Denn viele Objekte, wie die Helios Klinik oder die weitläufige Tiefgarage am Saarbrücker Platz, arbeiten weiterhin analog. Dort sind sogenannte Gebäudefunkanlagen installiert.

Kosten minimiert

Die ursprünglich geplanten Mittel zur Umrüstung des Funks konnten durch eine europäische Ausschreibung der Hessischen Landesregierung deutlich unterschritten werden. Gewonnen hat diese Ausschreibung der in Idstein ansässige Hersteller Motorola. Die Städte und Gemeinden können nun auf diesen Warenkorb auf Landesebene zugreifen und die benötigten Geräte zu einem günstigen Preis einkaufen. Durch die enorme Bestellmenge konnte alleine der Preis der Handfunkgeräte um weit mehr als ein Drittel der ursprünglich kalkulierten Kosten reduziert werden.

Der Artikel ist in der Idsteiner Zeitung vom 09.08.2012 erschienen. Hier geht's zum Artikel

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