08.09.2012: Sicherheit durch Training: Atemschutzausbildung der Idsteiner Feuerwehren

2012-09-08 Atemschutzseminar10Es ist mitten in der Nacht als plötzlich die Funkmeldeempfänger der Freiwilligen Feuerwehren Idstein Alarm schlagen und in den Ortsteilen die Sirenen heulen. Zwei Minuten später fahren auf die Feuerwehrhöfe in und um Idstein die ersten Pkws und die Fahrer laufen zu ihren Spinden, um sich einsatzfertig zu machen. Nochmal eine Minute später verlassen die ersten Einsatzfahrzeuge die Fahrzeughallen. In den Mannschaftsräumen schnallt sich der Angriffstrupp bereits die Atemschutzflasche auf den Rücken, die Maske bleibt noch im Plastikbeutel – möglicherweise ist es ja nur ein Fehlalarm.

Die Alarmdurchsage der Feuerwehrleitstelle war wenig konkret: „Verdacht Wohnungsbrand", ein Einsatzstichwort das vor allem die Idsteiner und Wörsdorfer Einsatzkräfte des Öfteren aus dem Schlaf reißt. Plötzlich die Rückmeldung des ersten Fahrzeuges von der Einsatzstelle: „Rauchentwicklung aus drei Fenstern im ersten Obergeschoss. Möglicherweise sind noch Personen im Gebäude". Jetzt muss es wirklich schnell gehen. Vom Gruppenführer kommt der Befehl „Angriffstrupp rüstet sich mit Atemschutz aus. Wassertrupp stellt die Wasserversorgung her und rüstet sich dann als Sicherungstrupp ebenfalls mit Atemschutz aus". Der Zugführer kommandiert die Drehleiter zur Menschenrettung auf die Gebäuderückseite. Auch hier kommt ein Atemschutztrupp zum Einsatz.

 

Solche Einsätze sind für die Freiwilligen Feuerwehren Idstein glücklicher Weise nicht an der Tagesordnung. Trotzdem müssen die ehrenamtlichen Helfer jederzeit für diesen und ähnliche Einsatzszenarien bereit sein, denn auch wenn es Vielen nicht klar sein mag: eine Berufsfeuerwehr gibt es im gesamten Rheingau-Taunus Kreis nicht. Um den mehr als 26.000 Einwohnern Idsteins trotzdem professionelle Hilfe bieten zu können, arbeiten die elf Idsteiner Feuerwehren seit vielen Jahren in Sachen Ausbildung eng zusammen. Am vergangenen Wochenende fand das zweite der diesjährigen Atemschutzseminare im und rund um das ehemaligen Kinderkrankenhaus auf dem Kalmenhofgelände statt. Das leer stehende Gebäude bietet alles was man für eine gute Atemschutzausbildung benötigt. An insgesamt vier Ausbildungsstationen werden verschiedene Techniken erklärt und trainiert. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr neben der Brandbekämpfung auf der Rettung von Menschen aus verrauchten Gebäuden.

Das Kellergeschoss wurde mit Hilfe einer Nebelmaschine komplett verraucht. Wie im Ernstfall liegt hier die Sicht bei null – man sieht die eigene Hand vor Augen nicht und das im wahrsten Sinne des Wortes. Lars Wendland, Wehrführer der Feuerwehr Heftrich, erklärt den Seminarteilnehmern an der Station 1 mit welchen Suchtaktiken man trotzdem möglichst schnell vermisste Personen finden kann. Dabei kommt auch die Wärmebildkamera der Idsteiner Wehr zum Einsatz. Das Wichtigste ist und bleibt jedoch die Eigensicherung und so ist das wichtigste Mittel, um bei der Suche nicht die Orientierung zu verlieren, eine Leine die aus dem Haus führt. Selbst die modernsten Funkgeräte können das nicht ersetzten.

An der nächsten Station steht eine vermeintlich hilflose Person am Fenster und schreit lautstark um Hilfe. Der einzige Weg um dem beißenden Qualm zu entkommen ist eine Leiter, welche von der Feuerwehr in Stellung gebracht werden muss. Der Idsteiner Gruppenführer Sebastian Härig wiederholt nochmals, wie Personen bei der Rettung über „tragbare Leitern" mit einer Leine gesichert werden müssen und wie auch die Einsatzkräfte selbst sich in einem so brenzlichen Fall zu verhalten haben.

An der letzten Praxisstation geht es nun doch ums Löschen. Robert Greiner erklärt hier den richtigen Umgang mit einem modernen Hohlstrahlrohr, das feinste Wassertropfen erzeugen kann. Um den Wasserschaden bei einem Brand möglichst gering zu halten setzten auch die Idsteiner Feuerwehren modernste Technik ein. Wichtigstes Lernziel ist es jedoch, dass sich die Atemschutzträger vor den Flammen schützen können. Die größte Gefahr stellt dabei der sogenannte Flash-Over dar. Vor allem in modernen, gut isolierten Häusern besteht immer die Gefahr, dass sich Brandrauch sammelt und beim Betreten eines Zimmers explosionsartig entzündet.

Wie man sich in einem solchen Fall schützen kann, lernt jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau bereits in der Grundausbildung zum Atemschutzgeräteträger. Nicht jeder schafft diese Ausbildung, denn die Arbeit unter Atemschutz ist extrem anstrengend. Alle zwei bis drei Jahre muss außerdem ein Arzt die Fitness der Einsatzkräfte überprüfen und so die körperliche Eignung bestätigen.

Zu guter Letzt darf auch die Theorie bei einem solchen Ausbildungstag nicht zu kurz kommen. So muss auch jeder Teilnehmer an diesem Tag mehr als eine Stunde die Schulbank drücken. Den Lehrerposten übernimmt dabei Werner Volkmar, seines Zeichens Leiter der Idsteiner Feuerwehren.

Als nach 7 Stunden der Ausbildungstag in großer Runde mit einer Abschlussbesprechung beendet ist, sind sich alle 36 Teilnehmer einig: der Tag hat sich gelohnt. Man hat nicht nur Vieles neu gelernt und vertieft, es hat allen Beteiligten auch richtig Spaß gemacht.

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